Die so genannte GfZK-1 befindet sich in einer von Peter Kulka umgebauten und 1998 eröffneten Gründerzeitvilla, die 1999 mit dem Architekturpreis ausgezeichnet wurde. Peter Kulka nahm bei seinem Umbau weitgehend auf die repräsentative, architektonische Struktur der Villa Rücksicht, straffte diese, behielt die Raumfolgen bei und erweiterte sie um Durchblicke und Sichtachsen. Mit seiner klaren Gestaltung und reduzierten architektonischen Details, folgt Kulkas Gebäude dem Konzept des White Cubes. 2004 erhielt das Museum ein neues, 1000 qm großes Ausstellungsgebäude, entworfen von dem jungen Architektenteam AS-IF. Ihr Ziel war es, mit den Räumen, die unter anderem an das dänische Louisiana-Museum erinnern, nicht zu überwältigen, sondern die Kunst auf Augenhöhe zu bringen. Mit einem verblüffenden Schiebewandsystem gelang es ihnen, für jede Ausstellung andere Wege, Belichtungssituationen und Raumstimmungen zu schaffen und damit dem Credo der GfZK zu folgen, an den Schnittstellen von Raum, Display und künstlerischer Intervention zu arbeiten.

Die österreichische Kunsthistorikerin Dr. Barbara Steiner ist seit 2001 Direktorin des GfZK, Kuratorin und Autorin mit Schwerpunkt Image- und Repräsentationspolitik, Museumsarchitektur und Ausstellungsdisplays.

Was ist Ihnen bei der Auswahl der Künstler und der Zusammenstellung des Programms besonders wichtig?

2007 widmen wir uns Fragen des kollektiven und individuellen kulturellen Gedächtnisses. Dabei rücken nicht nur inhaltliche Fragen in den Vordergrund, sondern auch die künstlerischen Mittel selbst. Wir zeigen vier große Wechselausstellungen: zum Formalismus (Tilo Schulz), zur Stasi-Vergangenheit (Dora Garcia), zum Pathos in Kunst und Lifestyle (Rosenblum & Muntean) und zur fotografischen Dokumentation von gesellschaftlichen Umbruchsszenarien (Joachim Brohm). Formale Fragen werden sich immer mit inhaltlichen verkeilen.

Sie haben die Ökonomie fest im Blick?

Der Betrieb der GfZK wird zu je einem Drittel aus Mitteln der Stadt, des Landes und privat finanziert, dazu kommen die Mittel für die Ausstellungen, die projektspezifisch akquiriert werden. Unsere Zweckbetriebe spielen dabei eine wichtige Rolle: Das Everland, das noch bis August 2007 auf dem Dach unserer Villa steht, ist ein Kunstwerk und ein Hotel, das uns Einnahmen bringt. Es ist jedoch genauso wenig wie das von Anita Leisz gestaltete Café einfach „Dienstleistungsdesign“. Der Unterschied ist, dass Hotel und Café eine Reihe von grundlegenden Fragen über das Verhältnis von Kunst und Ökonomie, durchaus auch im Sinne einer Komplizenschaft, aufwerfen.

Möchten Sie diese Auseinandersetzungen 2008/09 noch vertiefen?

Ja. Drei Hauptakteure, die auch die Politik von Kunstinstitutionen momentan sehr mitbestimmen, sind: Unternehmen, Sammler und Galeristen. Dennoch ist dies nie Gegenstand öffentlicher Debatten. Dies wollen wir 2008/2009 ändern. Es geht darum, den Stellenwert privaten Engagements im Sinne eines „Was wäre, wenn ...“ durchzuspielen. Daher überlassen wir zwei Jahre lang Privaten unseren Neubau. Aber sie bezahlen nicht nur ihr eigenes Projekt, sondern auch die versteckten Nebenkosten. Wir zeigen modellhafte Beispiele und begleiten die Ausstellungen diskursiv. Die Beteiligten müssen einen Leipzig-Bezug haben, sich global bewegen und aus der genannten Gruppe der Hauptakteure stammen.


The Cologne architect Peter Kulka won in 1994 the architectural competition for the construction of a permanent exhibition space. In 2004, a new 1000 sqm exhibition space was designed by the young architect team AS-IF. Their goal was not to emphasise the overwhelming impact of the rooms with ceilings as high as living rooms, similar to those found in the Danish Louisiana museum, bringing the art down to eye-level. Using an intriguing sliding wall system, the architects succeeded in creating different routes, lighting effects, and atmospheres for each exhibition, thus staying true to the credo of the GfZK: working in the areas where space, display and artistic intervention meet.



© JAM Publications 2007

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