Seit seinem 10. Lebensjahr zeichne er, erzählt Tchoban, und vorzugsweise Flächen, Wände, Straßen, Ensemble-Strukturen, die Stadt genannt werden, kaum Porträts, keine Foto-Szenen. (...) Sie prätendieren gar nicht erst, die Wirklichkeit zu ersetzen, die (noch) gar nicht vorhanden ist. Sie verweisen auf die kommende. (...) Es ist die Schneise ins Reich der Freiheit, die Phantasie, sich in Räume zu denken, bevor sie mit allerlei Draperie möbliert werden – kurz, die Freiheit, sich in den Linienführungen den Raum des Menschen vorzustellen, damit ihn von innen zu begreifen und nicht als bloße Etikette.

Ein Gefühl für stimmende Proportionen kann man nur bekommen, wenn man zuerst ganz viel gesehen hat und dann versucht hat, es per Hand nachzuvollziehen, um es später besser zu machen. Das will ja jeder Architekt. Nur:Wenigen gelingt es wirklich. Selbst, wenn ich etwas verstanden habe und weiß, das ist in seiner Art einzigartig oder genial, heißt das ja noch nicht, dass man es genauso kopieren muss. Der Witz besteht – glaube ich – darin, dass man erst beim Zeichnen richtig begreift, was zum Beispiel die Meisterwerke der Vergangenheit so imposant macht. (im Interview mit Beate Schubert:„Der Architekt Sergei Tchoban“, Interview in: Immobile 4/1996, S. 28)

Ich frage mich, ob diese rasende Entwicklung mir noch die Chance lässt, in die Geschichte der Stadt (Berlin, Anm.d. Red.) einzutauchen und dabei die noch nicht bis zur Perfektion totsanierten Innenhöfe, Plätze, Gassen mit eigener Seele zu entdecken. Ich lerne dabei aber auch, mir die Fragen zu stellen, wie denn das Altern der von uns „Kindern des Potsdamer Platzes“ geschaffenen Substanz aussehen wird – ob sie eine Seele haben, all unsere neuen, auf Konsum ausgerichteten Geschäfts-Büro-Wohn-Multiplexe.
(Sergei Tchoban: St. Petersburg, Berlin 2001)


In my vision concerning the occupation of an architect, the creation of new ideas through the means of hand drawing is deeply integrated. Discovering the architectural idea includes not only the analytical decision of choosing one or the other concept but also a chain reaction of unexpected inspirations throughout the process of drawing. The form is „created by hand“ ....
(Sergei Tchoban, in: Perspectives. The Journal of the Ontario Association of Architects 7/3/1999, S. 20)

I ask myself whether this frantic development leaves me any chance at all of delving into the history of the city (Berlin), of letting my soul discover those courtyards, squares and alleyways that have not yet been renovated to death. In the process, moreover, I'm learning also to ask myself how the substance created by we „Children of Potsdamer Platz“ will stand the test of time – and whether they have a soul, these commercial-residentialmultiplex- condominiums, our new temples of consumerism.
(Sergei Tchoban: St. Petersburg, Berlin 2001)



© JAM Publications 2007

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