Text: Imke Haasler
Seit jeher geht das Bestreben von Architekten und Bauherren dahin, wenn nicht für die Ewigkeit, doch zumindest für Jahrzehnte zu bauen. Der Beweiskraft des Nachhaltigen, des in die Zukunft gerichteten Bauens steht das Flüchtige, gar Ephemere gegenüber und Letzteres entspricht seinem Wesen nach zuerst einmal nicht dem Hauptbetätigungsfeld des Architekten. Doch temporäre Architektur ist allgegenwärtig und sehr aktuell. Sie reicht von einfachen, ungestalteten Funktionsbauten bis hin zu den zeitgenössischen Pavillons der Kulturhauptstädte, Festivals, Architektur- und Kunstevents. Besonders junge Büros suchen an der Schnittstelle zur Kunst neue Aufgabenbereiche. Aber es ist nicht nur das Bedürfnis, aus einer möglichen Not eine Tugend zu machen, sondern das Interesse an der poetischen Komponente des Vergänglichen, des Situations- und Kontextbezogenen. Die zeitliche Beschränkung beinhaltet zugleich das kraftvolle Potenzial des Augenblicks, der später als Bild oder Idee weiterexistiert. Das Verschwinden wird zum Zeitpunkt des Entstehens schon kalkuliert. Architekten gestalten in enger Zusammenarbeit mit Künstlern völlig neue Räume, die gerade durch die Symbiose beider Ausdrucksformen zu etwas ganz Eigenständigem werden.
Der Künstler Olafur Eliasson und der Architekt David Adjaye haben gemeinsam für Thyssen-Bornemisza Art Contemporary einen Pavillon geschaffen, der nach einer ersten Station auf der Insel San Lazzaro nahe Venedig jetzt auf der kroatischen Insel Lopud vor Dubrovnik wiedereröffnet wurde. Der Pavillon ist in Holzbauweise gefertigt, durch das im Eingang offen beplankte Ständerwerk verschränkt sich der Blick zunächst noch mit der Umgebung, um dann nach und nach ins dunkle Innere überzugehen. Dort findet sich Eliassons Lichtinstallation „Your black horizon“, die als umlaufender, gleißend schmaler Lichthorizont auf Augenhöhe in einem ansonsten völlig schwarzen Raum das Auge des Betrachters herausfordert, Unendlichkeit suggeriert.
Ein etwas anderer Zugang findet sich im Fall der temporären Installation „Theatrum Anatomicum“ des Wiener Architekturbüros squid. Das Gebäude wurde für den Künstler Paul Renner entworfen und anlässlich der 10-Jahres-Feier des Kunsthauses Bregenz für nur eine Woche im Juli 2007 errichtet. Hier wurden dem Publikum Performances geboten, experimentelle Speisen innovativer Küchenchefs live zubereitet und verköstigt. Ausgangspunkt des Entwurfs war das historische Teatro Anatomico in Padua, jener Anatomiesaal der Renaissance, in dem die Studenten auf konzentrisch gestaffelten Galeriegeschossen den Seziervorführungen des im Zentrum stehenden Dozenten folgen konnten. Squid interpretierte das 12 Meter hohe Gebäude in der skulpturalen abstrahierten Form eines Tierschädels und nahm damit auf die „anatomische“ Sprache des Künstlers Bezug. Die Holzrippenkonstruktion des Gebäudes fasste auf vier Ebenen Platz für 133 Personen und war mit einer transluzenten Membran bespannt, die die amorphe Geometrie des Körpers nachvollzog.
So unterschiedlich die Beispiele temporären Bauens auch sind, sie sind aus unseren öffentlichen Räumen nicht mehr wegzudenken.Vor allem aber ist temporäre Architektur ein Zeichen der Zeit, weil sie das Spontane mit dem Disziplinenübergreifenden verknüpft und zugleich in der Lage ist, auch das Vergängliche zuzulassen.
Seit jeher geht das Bestreben von Architekten und Bauherren dahin, wenn nicht für die Ewigkeit, doch zumindest für Jahrzehnte zu bauen. Der Beweiskraft des Nachhaltigen, des in die Zukunft gerichteten Bauens steht das Flüchtige, gar Ephemere gegenüber und Letzteres entspricht seinem Wesen nach zuerst einmal nicht dem Hauptbetätigungsfeld des Architekten. Doch temporäre Architektur ist allgegenwärtig und sehr aktuell. Sie reicht von einfachen, ungestalteten Funktionsbauten bis hin zu den zeitgenössischen Pavillons der Kulturhauptstädte, Festivals, Architektur- und Kunstevents. Besonders junge Büros suchen an der Schnittstelle zur Kunst neue Aufgabenbereiche. Aber es ist nicht nur das Bedürfnis, aus einer möglichen Not eine Tugend zu machen, sondern das Interesse an der poetischen Komponente des Vergänglichen, des Situations- und Kontextbezogenen. Die zeitliche Beschränkung beinhaltet zugleich das kraftvolle Potenzial des Augenblicks, der später als Bild oder Idee weiterexistiert. Das Verschwinden wird zum Zeitpunkt des Entstehens schon kalkuliert. Architekten gestalten in enger Zusammenarbeit mit Künstlern völlig neue Räume, die gerade durch die Symbiose beider Ausdrucksformen zu etwas ganz Eigenständigem werden.
Der Künstler Olafur Eliasson und der Architekt David Adjaye haben gemeinsam für Thyssen-Bornemisza Art Contemporary einen Pavillon geschaffen, der nach einer ersten Station auf der Insel San Lazzaro nahe Venedig jetzt auf der kroatischen Insel Lopud vor Dubrovnik wiedereröffnet wurde. Der Pavillon ist in Holzbauweise gefertigt, durch das im Eingang offen beplankte Ständerwerk verschränkt sich der Blick zunächst noch mit der Umgebung, um dann nach und nach ins dunkle Innere überzugehen. Dort findet sich Eliassons Lichtinstallation „Your black horizon“, die als umlaufender, gleißend schmaler Lichthorizont auf Augenhöhe in einem ansonsten völlig schwarzen Raum das Auge des Betrachters herausfordert, Unendlichkeit suggeriert.
Ein etwas anderer Zugang findet sich im Fall der temporären Installation „Theatrum Anatomicum“ des Wiener Architekturbüros squid. Das Gebäude wurde für den Künstler Paul Renner entworfen und anlässlich der 10-Jahres-Feier des Kunsthauses Bregenz für nur eine Woche im Juli 2007 errichtet. Hier wurden dem Publikum Performances geboten, experimentelle Speisen innovativer Küchenchefs live zubereitet und verköstigt. Ausgangspunkt des Entwurfs war das historische Teatro Anatomico in Padua, jener Anatomiesaal der Renaissance, in dem die Studenten auf konzentrisch gestaffelten Galeriegeschossen den Seziervorführungen des im Zentrum stehenden Dozenten folgen konnten. Squid interpretierte das 12 Meter hohe Gebäude in der skulpturalen abstrahierten Form eines Tierschädels und nahm damit auf die „anatomische“ Sprache des Künstlers Bezug. Die Holzrippenkonstruktion des Gebäudes fasste auf vier Ebenen Platz für 133 Personen und war mit einer transluzenten Membran bespannt, die die amorphe Geometrie des Körpers nachvollzog.
So unterschiedlich die Beispiele temporären Bauens auch sind, sie sind aus unseren öffentlichen Räumen nicht mehr wegzudenken.Vor allem aber ist temporäre Architektur ein Zeichen der Zeit, weil sie das Spontane mit dem Disziplinenübergreifenden verknüpft und zugleich in der Lage ist, auch das Vergängliche zuzulassen.
Temporary architecture is ubiquitous today – a thoroughly modern phenomenon that now preoccupies architectural practice more than ever before. Young architects in particular are exploring new issues at the interface of art and architecture. And this isn’t only a case of making a virtue out of necessity but about an interest per se in the poetic aspects of fleeting phenomena, a temporary context or a specific situation. Architects and artists working in close cooperation come up with completely new spaces – and it is the very symbiosis of two distinc disciplines that imbues them with singular style.
The „Theatrum Anatomicum“, a temporary installation by the Viennese architectural practice squid, is a fine example, designed for artist Paul Renner and set up for just one week in July 2007 on the occasion of the 10th anniversary of the Kunsthaus in Bregenz. The design is based on the historical Teatro Anatomico in Padua, a Renaissance amphitheatre in which students gathered on concentric galleries to observe dissections and hear anatomical lectures. squid interpreted this 12 metre high building as an abstract animal skull, a sculptural reference to the artist’s „anatomical“ language.
As varied contemporary examples of temporary architecture may be, they have come to represent an essential aspect of architecture, the absence of which from our public spaces is now almost unthinkable.Temporary architecture is a sign of the times above all however, because it combines spontaneity with an interdisciplinary approach and is at the same time open to fleeting phenomena.
© JAM Publications 2007
The „Theatrum Anatomicum“, a temporary installation by the Viennese architectural practice squid, is a fine example, designed for artist Paul Renner and set up for just one week in July 2007 on the occasion of the 10th anniversary of the Kunsthaus in Bregenz. The design is based on the historical Teatro Anatomico in Padua, a Renaissance amphitheatre in which students gathered on concentric galleries to observe dissections and hear anatomical lectures. squid interpreted this 12 metre high building as an abstract animal skull, a sculptural reference to the artist’s „anatomical“ language.
As varied contemporary examples of temporary architecture may be, they have come to represent an essential aspect of architecture, the absence of which from our public spaces is now almost unthinkable.Temporary architecture is a sign of the times above all however, because it combines spontaneity with an interdisciplinary approach and is at the same time open to fleeting phenomena.
© JAM Publications 2007
