Fotos: Peppermint Park
Text: Jörg Igelbrink


MUSTAFA GÜNDOGDU ALIAS MOUSSE T. MACHT DAS, WAS ER LEIDENSCHAFTLICH GUT KANN. MUSIK. ER GRÜNDET MIT ERROL RENNALLS UND WOLFGANG SICK 1994 DAS LABEL PEPPERMIN  JAM RECORDS UND ETABLIERT SICH ALS DJ IN DER SZENE. MIT SEINER EIGENEN HITSINGLE „HORNY“ BEWEIST ER ALS KOMPONIST UND PRODUZENT HÖCHSTE DURCHSCHLAGSKRAFT. SEIN REMIX „SING IT BACK“ VON MOLOKKO BRINGT IHM INTERNATIONALE ANERKENNUNG EIN. UND EINE GRAMMYNOMINIERUNG ALS ERSTER EUROPÄISCHER KÜNSTLER.

Was dann folgt, gleicht dem Amercian Dream. Musiklegende Tom Jones, der dieses Jahr für sein Lebenswerk den „Brit Award“ verliehen bekam, suchte musikalischen „Zeitgeist“,
fand Mousse T. und siegte mit einem internationalen Welthit und 4 Mio. verkauften Platten.„Sex Bomb“. Seitdem suchen internationale Stars von Simple Minds bis Gorillaz seinen Spirit, sein Gespür für Trends, für das Hier und Jetzt in der Musik. Jörg Igelbrink sprach mit dem Künstler und Unternehmer Mousse T. über das Geheimnis seines Erfolgs.

Du hast das Label Peppermint Jam, eine mittlerweile international anerkannte Marke in der Musikszene, mit gegründet und entwickelt. Und auch persönlich hast Du in den letzten Jahren immer mehr Rollen erfolgreich übernommen. Als Produzent, DJ, Unternehmer, Entrepreneur, Repräsentant oder Teammotivator. Was ist dein Erfolgsgeheimnis?

Geheimnis würde ich nicht sagen. Das Schöne ist, dass immer unsere Musik für uns gesprochen hat. So ein Label transportiert sich am ehesten über die Künstler. Keine Marketingabteilung hat uns gesagt, wie wir uns bewegen müssen, um an diesen Punkt zu gelangen. Es gab keinen Masterplan. Wir probieren aus und reagieren einfach auf Dinge, die uns
passieren. Anscheinend haben wir auch einige Dinge richtig gemacht ...

Glaubst du, dass gerade dieses Ausprobieren und Darauslernen ein Faktor deines Erfolges ist?

Ja, da bin ich sicher. Wir sind in vielen Dingen Pioniere. Fehler, die man macht, sind aber auch sinnvoll, um zu verstehen, wo man steht. Pionier sein heißt aber auch, dass man musikalisch immer einen Schritt voraus ist.

Welche Begegnungen mit anderen Künstlern haben dich besonders inspiriert?

Das Erlebnis mit Tom Jones vielleicht ... Er hat in den 60ern und 70ern klasse ausgesehen: ein Macho mit leichtem Übergewicht, engen Klamotten und protziger Gürtelschnalle. Als ich älter wurde, begriff ich, dass Tom Jones ein wirklich cooler Typ ist, mit einer unglaublichen Stimme. Ein Künstler, der mit Elvis gearbeitet hat und befreundet war. Und auf einmal plaudert man dann mit dieser Musiklegende, beim Bier über Musik. Kaum jemand weiß zum Beispiel, dass der Song „My Way“ für Tom Jones im Original komponiert wurde. Er selbst sagt:„Mein größter Fehler war, dass ich diesen Song damals nicht interpretiert habe.“

Design, Kunst, Mode. Wir wollen immer alles gerne in Schubladen pressen. Deine Musik passt in keine.Wenn du sie in Architektur übersetzen würdest, wie würde das aussehen?

Gemeine Frage. Eigentlich will ich mich auf keinen bestimmten Stil festlegen. Ich mixe gerne. Es wäre schön, ein großes Haus zu haben mit mehreren Zimmern. Oder auch nur ein einziges großes Zimmer. Als Entree eine klassische Hotellobby, eine toskanische Pizzaküche mit dicken Steinwänden; in einem anderen Bereich eine puristische Ecke, wo nur ein Flügel steht und vielleicht eine offene Bibliothek mit einem Ohrensessel. Ein spannender Stilmix.

Die Mode arbeitet ähnlich wie die Musik mit diesem Stilmix. Wie entstehen Trends deiner Meinung nach?

Trends setzen Menschen, denen wir vertrauen. Wenn Karl Lagerfeld etwas Neues macht,denken wir O.K.,das wird „in“ sein.

Es werden immer Persönlichkeiten sein, denen wir vertrauen und zutrauen, die Trends zu setzen.

Allerdings glaube ich, dass wir in der Musik nichts Neues erfinden können. Es gab bereits alles. Und auch in der Mode sind die Zeiten, in denen ein Gaultier ausgefallene Sachen gemacht hat, inzwischen vorbei.

Wenn ein Karl Lagerfeld oder ein Tom Ford sich selbst präsentieren, treten sie immer im schwarzen Anzug und weißem Hemd auf, ganz puristisch. Und doch setzen sie Trends.

Danke schön.Genauso würde ich auch meine Arbeit beschreiben. Ich produziere Künstler, wie die No Angels, aber natürlich bin ich nicht die No Angels.

In einer der schnellsten Branchen der Welt wirkt Mousse T. nie müde. Er lebt Echtzeit. Für ihn werden Trends durch Vertrauenspersonen geboren und nicht konstruiert. Beweglichkeit und Vielseitigkeit sind ein Muss. Und das eigene Lernen aus „Trial und Error“ schlägt den Masterplan. Gerne füge ich noch „den Mut und die Kraft, anders zu sein“ hinzu.Wer Mousse T. (zu)hört, vertraut seinem Trendgespür blind.







Mustafa Gündogdu, alias Mousse T., does what he is able to do passionately well. Play music. In 1994, together with Errol Rennalls and Wolfgang Sick, he founded the label Peppermint Jam Records and made a name for himself as a DJ in the music-scene. He achieved a huge breakthrough as a composer and producer with his hit single “Horny”. His remix of “Sing it back”by Molokko won him international acclaim. And a grammy-award nomination for the best European artist. What followed resembles the Amercian Dream. Music legend Tom Jones, who won the “Brit Award” this year for his life’s work,was looking for a musical “zeitgeist,”encountered Mousse T, and succeeded in producing an international world hit with 4 m records sold. “Sex Bomb.” Since then, a range of international stars from Simple Minds to Gorillaz has sought his spirit, his sense for trends, his feeling for the here and now in music. In one of the fastest industries of the world, Mousse T. never seems to tire. He lives in real time. He believes that trusted people give birth to new trends rather than construct them. Flexibility and versatility are a must. And his own lessons, learnt by trial and error, are all part of the masterplan.

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