Es ist wohl die Gestaltung des menschlichen Antlitzes, seine Wirkmacht als wichtigster symbolischer Teil des Körpers, in dem sich die unterschiedlichen Ausprägungen menschlicher Existenz ablesen lassen, die einen großen Teil der andauernden Faszination mit dem Porträtbildnis ausmachen. Modell und Künstler – so stellt man es sich vor – stehen in einem engen, wechselseitig inspirierenden Verhältnis. Dabei beeinflussen Ideen und Bildsprache der Künstler das Abbild, wie auch die Porträtierten darauf einwirken. Dieser Austausch von Interpretation und Inspiration wird gemeinhin als kreativ produktive Schnittstelle zwischen verschiedenen Charakteren gedeutet. Sabine Dehnel leistet mit ihren Arbeiten einen neuen Beitrag zu diesem Thema, denn anders als manche Kollegen stellt sie die Fähigkeit des Bildes zur Repräsentation – also zur Referenz auf die Realität – ganz grundsätzlich zur Disposition. Wie Vexierspiegel lassen ihre bezaubernd kühlen, mehr verbergend als zeigenden Fraubildnisse die Wahrnehmungsgrenzen verschwimmen. Schließlich sieht man meist nur einen Torso, Gesichter verbergen sich hinter Haaren und selbst das klassische Dreiviertelporträt zeigt bei Sabine Dehnel den Hinterkopf. So ist sich der Betrachter nie sicher, ob die Gemälde einen Menschen zeigen, oder doch nur Kleidung oder Kopfbedeckungen, denen ein Körper zugeordnet wurde; stets bleibt er im Ungewissen über Vorlage und Abbild, denn Sabine Dehnel malt nach Fotografien, inszeniert Räume nach eigenen Bildern, um diese dann wieder abzubilden. Bestimmend dabei sind drei Parameter, deren komplexe wechselseitige Beziehungen unser Bildverständnis beeinflussen: Bild, Körper und Medium. Fraglos schafft die Autopoiesis ihrer Bilder es, die alte Frage nach den wechselnden Vorstellungen davon, was Wahrheit ist und ob es überhaupt einen Unterschied zwischen Erfahrungen erster, zweiter und dritter Ordnung gibt, neu zu stellen.
It is probably the form of the human face, its evocativeness as the most important symbolic part of the body in which can be read the different traces of human existence, which accounts more than anything else for the enduring fascination with the human portrait. (…) Sabine Dehnel makes a new contribution to this theme in that she, unlike many of her colleagues, puts the capacity of an image to be representative – that is, to refer to reality – up for (re-) negotiation. Her enchantingly cool portraits of women, which seem to hide more than they reveal, allow the borders of perception to blur as in a distorting mirror. (...) The observer is therefore never sure whether paintings show a person or only clothing or a headdress that have been assigned to a body; he remains in a state of ignorance with regard to what came first, the model or the copy, for Sabine Dehnel paints from photographs, reproduces her paintings as staged sets, then photographs these in turn. Three parameters are decisive here, the complex interaction of which influences our perception: image, body and medium. The autopoiesis of her images undoubtedly succeeds in posing again in a new form the age-old question about shifting perceptions of truth and about whether any difference between first, second or third-order experience actually exists.
Biografie:
Sabine Dehnel lebt und arbeitet/lives and works in Berlin
1971 geb./born in Ludwigshafen am Rhein
1992-1993 Amsterdam, NL
1993-1999 Studium/studies: Johannes
Gutenberg-Universität, Mainz
1999-2000 Meisterschülerin
2000-2001 MFA Program, Otis College of Fine Arts and Design, Los Angeles, USA
Aktuelle und geplante Ausstellungen /
current and future exhibitions:
Liebe. Love - Bilder von Paaren, Ulmer Museum, Ulm (Germany), September 14 - November 23, 2008 (Group)
Playground - Masart Gallery Barcelona (Spain), October 31, 2008 - January 2, 2009 (Solo)
Solo Project photo miami - photo MIAMI, Booth MasArt Barcelona (USA/CA), December 3 - 7, 2008
www.sabinedehnel.de
Biografie:
Sabine Dehnel lebt und arbeitet/lives and works in Berlin
1971 geb./born in Ludwigshafen am Rhein
1992-1993 Amsterdam, NL
1993-1999 Studium/studies: Johannes
Gutenberg-Universität, Mainz
1999-2000 Meisterschülerin
2000-2001 MFA Program, Otis College of Fine Arts and Design, Los Angeles, USA
Aktuelle und geplante Ausstellungen /
current and future exhibitions:
Liebe. Love - Bilder von Paaren, Ulmer Museum, Ulm (Germany), September 14 - November 23, 2008 (Group)
Playground - Masart Gallery Barcelona (Spain), October 31, 2008 - January 2, 2009 (Solo)
Solo Project photo miami - photo MIAMI, Booth MasArt Barcelona (USA/CA), December 3 - 7, 2008
www.sabinedehnel.de
