Text: Cato Jans
Der Besuch im Atelier von Clemencia Labin kann zu Verwechslungen führen. Unzählige Rollen einfarbiger, bunter und gemusterter Stoffe schauen aus den Regalen. Füll- und Polstermaterialien, Holzplatten und -leisten stehen herum, auf einem der langen Arbeitstische ist ein Arsenal von Tackern jeder Größe aufgereiht. Arbeitet hier eine Textildesignerin? Aber auch Farbdosen, Pinsel und Spraydosen fehlen nicht. Der beherrschende Eindruck jedoch ist der einer berauschenden Buntheit: Farbe, wohin das Auge blickt, bevorzugt kräftige, sonnige Töne.
Die Welt der in Venezuela geborenen, aber schon lange in Deutschland ansässigen Künstlerin sind Stoffe und Farben. Zu Beginn ihrer Karriere hat sie schon mit leuchtenden Farben gemalt, ungegenständliche Bilder mit geometrischen, jedoch keinesfalls kühlen Kompositionen. Heute schafft sie Objekte, die aus der Wand oder dem Boden zu quellen scheinen, als wären die Räume hinter all den eher farbflachen Oberflächen unserer Alltagswelt randvoll mit Farben, die nur darauf warten, herauszudrängen. „Pulpas“ nennt Clemencia Labin diese Werke, ein Begriff, der in der Medizin und Biologie eine weiche oder breiige Masse bezeichnet und im Lateinischen „Fleisch“ bedeutet.
Dabei vermengt sie nicht nur alle möglichen Farben zu erstaunlich harmonisch marmorierten Gebilden, ihre Schöpfungen sind auch Sampler der Kunstgeschichte. Besonders der abstrakte Expressionismus und die Popart werden zitiert, vermengt und in Werke einer neuen Dimension geknetet: die Maler Roy Lichtenstein, Jackson Pollock, Sam Francis, ebenso Bildhauer wie Claes Oldenburg und Nikki St.Phalle liegen auf der Palette, von der sich Clemencia Labin bedient. Und auch am Bahnhof von Uelzen bei Hannover, den Friedensreich Hundertwasser zur Expo 2000 umbaute, ist sie schon vorbeigefahren ...
Ihre neuesten Werke zeichnet aber etwas anderes aus: zum einen eine unverfälschte Verwendung von Stoffmustern, die ihre Herkunft aus dem Design und der Massenproduktion der Dekorationsindustrie offen zeigen, zum anderen tatsächlich etwas bei dieser Frau der überbordenden Buntheit so Unwahrscheinliches wie Reduktion: monochrome Plastiken und Skulpturen, deren amorphe Wucht nicht weniger präzise überwältigt als die Buntheit der mehrfarbigen „Pulpas“.
Wie würde wohl der erste große Werkkatalog aussehen, der Clemencia Labins Schaffen der letzten zwei Jahrzehnte tragen müsste und längst überfällig scheint? Würde es ein Buch, aus dem bei unvorsichtiger Handhabung die Acrylfarbe quillt? Das wäre doch schön! Denn Farbe wird bei Labin so unverzichtbar und sinnlich, dass man sich wünscht, in jeder ihrer Ausstellungen stünde ein Eimer mit buntem Brei, aus dem man sich bedienen und die Hände bunt machen dürfte für das eigene Leben!
Der Besuch im Atelier von Clemencia Labin kann zu Verwechslungen führen. Unzählige Rollen einfarbiger, bunter und gemusterter Stoffe schauen aus den Regalen. Füll- und Polstermaterialien, Holzplatten und -leisten stehen herum, auf einem der langen Arbeitstische ist ein Arsenal von Tackern jeder Größe aufgereiht. Arbeitet hier eine Textildesignerin? Aber auch Farbdosen, Pinsel und Spraydosen fehlen nicht. Der beherrschende Eindruck jedoch ist der einer berauschenden Buntheit: Farbe, wohin das Auge blickt, bevorzugt kräftige, sonnige Töne.
Die Welt der in Venezuela geborenen, aber schon lange in Deutschland ansässigen Künstlerin sind Stoffe und Farben. Zu Beginn ihrer Karriere hat sie schon mit leuchtenden Farben gemalt, ungegenständliche Bilder mit geometrischen, jedoch keinesfalls kühlen Kompositionen. Heute schafft sie Objekte, die aus der Wand oder dem Boden zu quellen scheinen, als wären die Räume hinter all den eher farbflachen Oberflächen unserer Alltagswelt randvoll mit Farben, die nur darauf warten, herauszudrängen. „Pulpas“ nennt Clemencia Labin diese Werke, ein Begriff, der in der Medizin und Biologie eine weiche oder breiige Masse bezeichnet und im Lateinischen „Fleisch“ bedeutet.
Dabei vermengt sie nicht nur alle möglichen Farben zu erstaunlich harmonisch marmorierten Gebilden, ihre Schöpfungen sind auch Sampler der Kunstgeschichte. Besonders der abstrakte Expressionismus und die Popart werden zitiert, vermengt und in Werke einer neuen Dimension geknetet: die Maler Roy Lichtenstein, Jackson Pollock, Sam Francis, ebenso Bildhauer wie Claes Oldenburg und Nikki St.Phalle liegen auf der Palette, von der sich Clemencia Labin bedient. Und auch am Bahnhof von Uelzen bei Hannover, den Friedensreich Hundertwasser zur Expo 2000 umbaute, ist sie schon vorbeigefahren ...
Ihre neuesten Werke zeichnet aber etwas anderes aus: zum einen eine unverfälschte Verwendung von Stoffmustern, die ihre Herkunft aus dem Design und der Massenproduktion der Dekorationsindustrie offen zeigen, zum anderen tatsächlich etwas bei dieser Frau der überbordenden Buntheit so Unwahrscheinliches wie Reduktion: monochrome Plastiken und Skulpturen, deren amorphe Wucht nicht weniger präzise überwältigt als die Buntheit der mehrfarbigen „Pulpas“.
Wie würde wohl der erste große Werkkatalog aussehen, der Clemencia Labins Schaffen der letzten zwei Jahrzehnte tragen müsste und längst überfällig scheint? Würde es ein Buch, aus dem bei unvorsichtiger Handhabung die Acrylfarbe quillt? Das wäre doch schön! Denn Farbe wird bei Labin so unverzichtbar und sinnlich, dass man sich wünscht, in jeder ihrer Ausstellungen stünde ein Eimer mit buntem Brei, aus dem man sich bedienen und die Hände bunt machen dürfte für das eigene Leben!
”... I have created a Pulpa Chic World in which the observer dives into a space of sensuous visual opulence. The works are partly quilted (‘meaty‘) object-paintings using cloths and acrylic paint. They have a sort of ‘pop prefabricated beautiful look‘ that reflects today’s values and way of life, in which nature is often modified to achieve the ultimate desired artifical perfection ...” Clemetia Labin, born in Venezuela, living and working in Hamburg.
