Handwerk, Tradition, Erbe...
Die drei Streifen von adidas

Handicraft, Tradition, Heritage...
The three stripes of adidas

„Die fand ich angenehm unmodisch“, so der Designer Yohji Yamamoto auf die Frage hin, warum er gerade mit der Sportmarke adidas ein „Design-Joint-Venture“ eingegangen sei. „Nike war zu modisch, zu schnell.“

Sport- und Modebranche sind längst zusammengewachsen. Dabei ist in der Modewelt der überragende Erfolgsfaktor die Schnelligkeit. Insbesondere deswegen ist die Aussage von Yamamoto erstaunlich. So sind es doch die Modedesigner, die immer schneller modische Trends wahrnehmen, erkennen und umsetzen sollen. Zuletzt schrieb die Textilwirtschaft – Fachblatt der Modebranche: „Wir setzen Modetrends immer noch zu langsam um.“ Yamamoto hat dazu seine eigene Meinung: „Ich hasse Mode. Wir sitzen in einem Karussell, das sich zu schnell dreht. Die Schönheit verschwindet. Die Beschleunigung der Mode verhindert, dass man darüber nachdenkt. Zweifel werden ausgeschlossen. Alle folgen. Bis alles allem ähnelt. Eine Art Gleichschaltung. Logos gehen um. Seelenlose, von Maschinen gefertigte Marken.“
Was Yamamoto meint, ist, wahrhaftige Modemarken haben, anders als mit Logos markierte, gute „Preis-Leistungs-Verhältnisse“, ein Wesen, eine Seele. Sie sind spannungsgeladen. Die elektrische Ladung zwischen modischer Schnelligkeit, Zeitgeist und der seligen Markenherkunft ist in den richtigen Fragen zu spüren.Was machte den Ursprung der Modemarke aus und wer ist unsere Marke heute? Was hat sie zu dem gemacht,was sie ist? Was macht sie einzigartig? Um mit der Frage abzuschließen:„Was ist der modische Trend im Herbst/Winter 2008?“ Fragen, die sich abstoßen, anziehen. Und manchmal sogar die Vorzeichen wechseln.

Adi Dassler saß im Jahr 1920 noch nicht in diesem „Geschwindigkeitskarussell“. Er wurde 1920 von einer einzigartigen Idee vorangetrieben. Jeder Sportler sollte für seine Disziplin den optimalen Schuh erhalten. Diese archetypische Idee eines zwanzigjährigen Schusters entwickelte sich im Zeitlauf von 87 Jahren zu einer der kraftvollsten Marken der Welt. Der Marke adidas.
Ob Adi Dassler damals geahnt hat, dass der Deutsche Willy Holdorf 1964 in Tokio in seinen Schuhen Olympiasieger im Zehnkampf wird, dass die berühmtesten Boxer aller Zeiten, Muhammad Ali und Joe Frazier, sich im „Kampf der Kämpfe“ 1971 in Boxstiefeln mit den drei Streifen im Ring gegenüberstehen, dass im neuen Jahrtausend Autos wie der Audi TT und Porsche mit seinen Schuhen neue Inspiration finden oder ein visionärer japanischer Modedesigner namens Yamamoto Bekleidung für seine Marke neu erfindet? Wahrscheinlich nicht.

Als Adi Dassler das Designmerkmal der drei Streifen kreierte, hatte er die bestmögliche Stabilität des Mittelfußes beim Laufen im Sinn. Seine Motivation war, ein Produkt zu schaffen, das Sportler besser, ja erfolgreicher macht. Sein Antrieb war, ein Equipment zu schaffen, das jedes Ergebnis eines Sportlers – in seiner Disziplin und auf seinem individuellen Niveau –  öher,weiter, schneller machen sollte. Und dann kam „Madonna“. Die Pop-Ikone verschmolz ihren Lifestyle mit dem technischen Sportequipment-Ausrüster und brachte es als Bravo-Starschnitt in die „Kinderzimmer“. Die Jugend vertraute Madonnas Trendgefühl. Adidas war auf dem Weg zur Lifestyle-Modemarke.
Damit wechselten auch die Erfolgsfaktoren für adidas. Immer schneller mussten Modetrends umgesetzt werden, um am Point of Sale zu erscheinen. Umgesetzt in neue Modekollektionen, Equipment, Originals, Re-designed, Retro, Sports Specific. Immer schneller müssen diese allerdings auch wieder den neuen Trends Platz machen. Die Lagerumschlagsgeschwindigkeit des Karussells erhöhen.

Spürt der Sportler, der Modeinteressierte, der Kunde die sympathische Ursprungsidee von Adi Dassler? Wird die Marke noch mit seinem Geist beseelt? Eine echte Marke schafft diesen Spagat. Eine sympathische Markenpersönlichkeit zeigt sich eben im Kommunikationsstil, auch durch die Menschen, die diese Marke „verkörpern“. Und insbesondere dadurch, wie sie mit Niederlagen umgehen. Der Fußballer und Weltstar David Beckham erzählt in der aktuellen Kampagne „Impossible is nothing“ von seinen schwärzesten Jahren als Sportler, von Morddrohungen der Fans, Selbstmordgedanken. Klar wird, wer Schuld an der Misere hat. Er selbst. Er entscheidet sich dafür, die Vergangenheit zu verstehen und weiterzumachen. Und kehrt nach diesem Lebenstief gestärkt zu seinem Sport zurück.

Um es mit den Worten von Yohji Yamamoto auf die Frage „Was verbinden Sie mit der Marke adidas?“ zu sagen: Handwerk,Tradition, Erbe ... Die drei Streifen.




When Adi Dassler created the three stripes as a design feature, he was concerned with creating the maximum stability for an athlete’s metatarsal bones when running. His motivation was to create a product that would improve the performance of athletes and make them more successful. He wanted to produce a piece of equipment that would make each success of an athlete higher, farther, faster – in his or her discipline and in terms of his or her personal best. And then came „Madonna“. The pop icon merged her lifestyle with the equipment supplier and the design entered the world of kids through the teenage magazines. Adidas was on the way to becoming a fashion and lifestyle brand.



© JAM Publications 2007

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